Das Meisterwerk

Heidi Weber hat die Vision, nicht allein das künstlerische Werk Le Corbusiers zu zeigen, sondern den Künstler mit dem Architekten vereint zu präsentieren. Dies bedeutete, die Werke Le Corbusiers innerhalb einer seiner eigenen Architekturen zu fördern. Eine Herausforderung, die man Le Corbusier bis dahin noch nie vorgeschlagen hatte. Gerade dieses Konzept der Kunstsynthese, das Gesamtkunstwerk Le Corbusiers der Öffentlichkeit nahe zu bringen – was auch ein besonderes Anliegen des Künstlers selbst war – wird zu einer Herausforderung für Heidi Weber.

Entschlossener denn je ist Heidi Weber bereit, alles, was sie besitzt beizusteuern, um dieses sowohl grandiose als auch ehrgeizige Vorhaben zu verwirklichen. Um die Finanzierung zu sichern, verkauft sie ihr gesamtes Eigentum, darunter auch ihr Wohnhaus und mietet eine Anderthalb-Zimmer-Wohnung, in die sie mit ihrem Sohn einzieht.

Die Ausführung

  • Zuerst das Dach

    Le Corbusier legte immer besonderen Wert auf die Dachkonstruktion. Dieses Projekt wurde ganz im Gegensatz zu den normalen Konstruktionsstilen durchgeführt. Zuerst kam das Dach. Frei schwebend und radikal getrennt vom eigentlichen Baukörper. Fast einem Schirm gleich, der das Gebäude vor Sonne und Regen schützt.

    Die Modulor-Kuben wurden im Anschluss daran zusammengeschraubt und eingebaut. Der klare Abstand zwischen dem Pavillon selbst und seinem Dach gestattete Le Corbusier, die Verschiedenheit zwischen zwei großartigen Systemen unterzubringen, welche während der denkwürdigen Periode des Modernismus zu Leitmotiven geworden waren: Das flache Terrassendach und das Schrägdach.

    Für Le Corbusier hatte das Terrassendach seit der Zeit der Maison Citrohan zunehmend an Bedeutung gewonnen, insbesondere als ein ästhetisches Merkmal.

    Das Dach des Gebäudes ist die Summe aller dieser parallelen Vorgänger und Experimente: Ein frei schwebendes Metalldach in Form eines doppelten Schirms. Mit einer Gesamtfläche von 12 x 26,3 m wurde es unter Verwendung von 5 mm starken geschweissten Metallblechen errichtet. Es besteht aus zwei quadratischen Teilen, wobei jeder Teil wiederum aus vier Teilen unterteilt in zwei Stufen besteht. Dies resultiert in einer geometrischen Figur mit unterschiedlichen Neigungen, so dass das Dach eine größere Komplexität annimmt als ein traditionelles Dach mit zwei oder vier Dachneigungen. Und vor der Kulisse des Sees und des Parks erscheint das Dach nahezu wie eine Skulptur.

    Der Innenraum befindet sich unter diesem dualen System aus Dach und Terrasse. Es ist ein modularer Raum mit dem Potential zu einer unendlichen Wiederholung. In dieser Hinsicht übernimmt das Dach mit seiner frei schwebenden Struktur eine weitere Funktion: Durch die Abgrenzung des Raumes, den es überspannt und den es vor den Elementen schützt, etabliert es die Grenzen, welche die Anzahl der Raumeinheiten regulieren und begrenzen, die reproduziert werden können.
    Der Innenraum ist durch eine Metallstruktur und zwei kubische Einheiten gekennzeichnet.

    Die Ostseite des Gebäudes weist zwei Etagen auf, die durch eine schmale Betontreppe und die Rampe verbunden sind. Die Westseite dagegen besteht aus einem zweigeschossigen Raum.

  • 27. August 1965 – Trauer und Stillstand

    Am 27. August 1965, inmitten der Bauausführung verunglückt Le Corbusier tödlich beim Schwimmen im Mittelmeer bei Cap Martin. Heidi Weber ist zutiefst erschüttert. Der Bau ruht ...

1964 — 1965